Was passiert mit meiner Glasflasche?
Möglich macht das eine Glasentsorgungsindustrie, die in der Schweiz zu den am besten ausgebauten der Welt gehört. Was auf den ersten Blick nach einem simplen Griff zum Container aussieht, ist in Wirklichkeit der Auftakt zu einem ausgeklügelten Prozess aus Sammlung, Sortierung und Wiederaufbereitung. Grund genug, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Wir begleiten diesen Prozess anhand einer Glasflasche und zeigen, weshalb Glasentsorgung ein wichtiger Teil des Recyclingkreislaufs ist.
Bereits beim Kauf ist an später gedacht
Noch bevor unsere Glasflasche im Regal stand, wurde ein kleiner Beitrag an ihre spätere Entsorgung geleistet. In der Schweiz wird auf Getränkeverpackungen aus Glas eine vorgezogene Entsorgungsgebühr erhoben, kurz VEG. Hersteller und Importeure bezahlen diese Gebühr, wenn sie Glasverpackungen in der Schweiz in Umlauf bringen. Die Höhe richtet sich nach dem Füllvolumen und beträgt bis zu 6 Rappen pro Flasche. Das klingt nach wenig. Bei der grossen Menge an verkauften Flaschen kommt jedoch einiges zusammen. Dieses Geld wird für die Verwertung von Altglas verwendet.
Ein Klirren und die nächste Reise beginnt
Unsere Flasche ist nun leer. Der Verschluss muss weg, die Etikette darf dranbleiben. Danach kommt die Flasche in den passenden Glascontainer. Wichtig ist, dass nur Glasflaschen und andere Verpackungen aus Glas, zum Beispiel Konfitürengläser, in den Glascontainer gehören. Weisse Flaschen kommen ins Weissglas, braune ins Braunglas und grüne ins Grünglas. Auch blaue, rote oder andersfarbige Flaschen gehören ins Grünglas. Diese Trennung ist wichtig, denn die Farbe lässt sich beim Einschmelzen nicht mehr entfernen.
Nun kommt Schneider Umweltservice ins Spiel
Mit unseren Vierkammer-Sammelfahrzeugen sammeln wir alle vier Fraktionen in einem Zug ein, Grün-, Weiss- und Braunglas sowie Alu- und Stahlblechdosen. Im Inneren des Fahrzeugs sorgen vier getrennte Kammern dafür, dass alles auch während der Fahrt sauber getrennt bleibt. Unsere Flasche ist nun eine von vielen. Trotzdem bleibt ihre Farbe entscheidend für den weiteren Weg.
Ein Zwischenhalt in Baar oder Oberglatt
Je nach Sammelgebiet führt die Reise unserer Glasflasche nun ins Recycling-Center Chrüzegg in Baar oder zum Glasumschlagplatz in Oberglatt. Dort wird das Glas umgeschlagen und nach Farben zwischengelagert, bevor es in einer grossen Menge weitertransportiert wird. Um die Transportkapazität optimal zu nutzen, wird das Glas gesammelt, bis eine ausreichend grosse Menge für den Weitertransport bereitsteht. Dieser erfolgt grösstenteils per Bahn.
Die Reise führt ins Ausland
Unsere Glasflasche ist inzwischen nicht mehr als einzelne Flasche erkennbar. Als Scherben wird sie in eine Aufbereitungsanlage im europäischen Ausland transportiert. Dort werden Fremdstoffe entfernt, die Scherben weiter zerkleinert, eingeschmolzen und zu neuen Glasverpackungen verarbeitet. Diese Schritte finden im Ausland statt, da in der Schweiz seit 2024 keine Getränkeverpackungen aus Glas mehr hergestellt werden.
Wie viel Altglas bei der Verarbeitung zu neuen Glasverpackungen eingesetzt werden kann, hängt von der Farbe ab. Grünglas kann bis zu 100 Prozent aus Altglas bestehen, Braunglas bis zu 70 Prozent und Weissglas bis zu 60 Prozent. Das Besondere an Glas: Es verliert beim Einschmelzen nicht an Qualität und kann immer wieder zu neuen Verpackungen werden. Unsere Flasche kommt also nicht als dieselbe zurück. Ein Teil von ihr kann aber schon bald in einer neuen Flasche weiterleben.
Zurück ins Regal
Irgendwo in einer Abfüllanlage wird eine neue Glasflasche gereinigt, befüllt und etikettiert. Danach wird sie verpackt und wieder in ein Regal gestellt. Damit dieser Kreislauf funktioniert, braucht es viele Beteiligte. Konsumentinnen und Konsumenten, Gemeinden, Sammeldienste, Transportunternehmen, Aufbereitungsanlagen und Glashütten tragen alle einen Teil dazu bei. Der wichtigste Schritt ist jedoch ganz einfach: Die leere Glasflasche gehört in den richtigen Glascontainer.
Weshalb sich die Reise lohnt
Durch den Einsatz von Altglas wird bei der Herstellung neuer Glasverpackungen rund 25 Prozent weniger Energie benötigt. Gleichzeitig müssen weniger neue Rohstoffe wie Quarzsand, Kalk und Soda verwendet werden. Trotzdem bleibt die Glasherstellung energieintensiv. Eine Verpackung mehrfach zu verwenden oder Abfall bereits beim Einkauf zu vermeiden, ist deshalb noch besser als Recycling. Im Kehrichtsack wäre unsere Flasche jedoch auf jeden Fall am falschen Ort, da der Wertstoff so verloren geht.
Häufige Fragen rund um die Glasentsorgung
In den Glascontainer gehören Glasflaschen und Verpackungsglas, zum Beispiel Konfitüren-, Gurken- oder Joghurtgläser. Wichtig ist, dass das Glas nach Farben getrennt wird: Weissglas zu Weissglas, Braunglas zu Braunglas und Grünglas zu Grünglas. Andersfarbiges Glas gehört ebenfalls ins Grünglas.
Nicht alles, was wie Glas aussieht, gehört in den Glascontainer. Keramik, Porzellan, Trinkgläser, Vasen, Spiegel und Fensterscheiben haben eine andere Zusammensetzung und müssen separat entsorgt werden. Sie können die Weiterverarbeitung des Altglases erschweren.
Jährlich verwertet Schneider Umweltservice ca. 25’000 Tonnen Glas.
Wenn Glas im Kehrichtsack landet, wird es dem Stoffkreislauf entzogen. Es geht mit dem restlichen Abfall in die Kehrichtverbrennung. Glas brennt dort nicht, sondern bleibt als Rückstand zurück. Dadurch gehen wertvolle Rohstoffe verloren, die sonst wieder für neue Glasverpackungen genutzt werden könnten.
Michelle Kiechl
KV-Lernende
Michelle ist KV-Lernende im dritten Lehrjahr.
Publikationsdatum: 08.09.2026