Ein Leben zwischen Recycling und Kunst
Mit einem 20-30%-Pensum unterstützt er überwiegend die Sammelstelle in Pfäffikon ZH und widmet sich seiner Kunst. Im Interview gibt er uns Einblicke in seinen Alltag, seine Motivation und seine künstlerischen Inspirationen.
Wie bist du in den Bereich Recycling und Abfallwirtschaft gekommen?
Vor 17 Jahren stiess ich durch ein Inserat im «Meilener Anzeiger» auf diese Branche. Die Stelle war als Teilzeitjob ausgeschrieben, was perfekt für mich war. Zudem reizte mich der Kontakt zu den unterschiedlichsten Personen und die Möglichkeit, um zu Netzwerken.
Was genau sind deine Aufgaben an der Sammelstelle und wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?
Mein Tag beginnt immer mit einem Espresso. Danach räume ich auf, was vom Vortag liegen geblieben ist, wische und putze die Flächen. Ich bringe aussortierte Gegenstände in die richtigen Mulden, sei es Metall, Elektro oder andere Materialien.
Dann bereiten wir leere 4er-Paletten für Elektroschrott vor und sichern grosse Geräte an den Paletten. Die Kasse wird hochgefahren, und um 9 Uhr öffnen wir das Tor.
Ab diesem Moment gehört die volle Aufmerksamkeit den Kundinnen und Kunden: Ich erkläre, was wo entsorgt wird, behalte den Überblick, um falsche Entsorgungen zu vermeiden, und stehe für Fragen zur Verfügung. Wir helfen auch bei schweren Gegenständen. Am Abend rechne ich die Kasseneinnahmen ab, fahre das System herunter und verschliesse alle Container.
Welche Materialien werden in deiner Sammelstelle am häufigsten gesammelt?
Das wechselt täglich: Manchmal gibt es drei Tage lang besonders viel Metall, dann stapelt sich Holz ohne Ende. Karton hingegen bildet eine Konstante. Der Kartonverbrauch hat durch das Onlineshopping kontinuierlich zugenommen – und das nicht erst seit der COVID 19-Pandemie. Auch saisonale Faktoren spielen eine Rolle, z.B. Umzüge oder Feiertage wie Weihnachten und Ostern.
Was hat dich dazu inspiriert, deiner künstlerischen Begabung nachzugehen?
Die künstlerische Energie war schon früh in mir, ungefähr seit meinem 16. Lebensjahr. Sie kommt aber auch aus meinem familiären Hintergrund.
Welche Materialien verwendest du hauptsächlich und warum?
Ich zeichne am liebsten auf Papier mit Blei- und Farbstiften, male aber auch mit Acrylfarben auf Leinwand. Daneben habe ich 30 Jahre lang Bodypainting für Mode-, Frisuren- und Produktpräsentationen gemacht. Ich hatte das Glück, prominente Persönlichkeiten wie Linda Fäh, Christa Rigozzi und Melanie Winiger zu «verschönern».
Wie lange dauert es in der Regel, ein vollständiges Kunstwerk zu erstellen?
Manchmal brauche ich nur zwei Tage für eine Zeichnung, während andere Werke Wochen oder Monate in Anspruch nehmen. Im Schnitt arbeite ich etwa 10 bis 20 Stunden an einer Zeichnung.
Hast du eine bestimmte Botschaft oder ein Thema, das du mit deinen Kunstwerken vermitteln möchtest?
Das Malen und Zeichnen entspannen mich. Es sind Energien und Eindrücke, die ich dadurch verarbeite.
Hast du schon einmal eine Verbindung zwischen Recycling und deinen Kunstwerken hergestellt?
Ja, vor mehr als 30 Jahren habe ich eine Fotoausstellung mit dem Titel «Verpackung und Recycling» konzipiert. Sie wurde mehrfach in der Schweiz gezeigt, aber auch in Österreich, Deutschland und sogar in Südafrika. Es waren 32 Grosspolaroid-Fotos im Format 50x60 cm.
Ist Recycling Kunst?
Recycling ist eine Notwendigkeit!
Ursula Palumbo-Keller
Leiterin Marketing
Als Marketingleiterin mache ich Kreislaufwirtschaft sichtbar, denn die Zukunft beginnt jetzt.
Publikationsdatum: 19.03.2025